Wenn du beim Kosmetikkauf bewusste Entscheidungen triffst, kannst du sowohl deine Haut als auch die Umwelt schonen. Nachhaltige Kosmetik beschreibt Produkte, bei denen Rohstoffgewinnung, Herstellung und Verpackung nach ökologischen und sozialen Maßstäben gestaltet sind. In diesem Artikel erfährst du, welche Inhaltsstoffe und Siegel wirklich eine Rolle spielen, welche Produktkategorien sich besonders für einen Umstieg eignen und wie du deine Pflegeroute schrittweise umstellst.
Was nachhaltige Kosmetik bedeutet
Abgrenzung zur konventionellen Kosmetik
Konventionelle Kosmetikprodukte können Mineralöle, Silikone, synthetische Duftstoffe und petrochemisch gewonnene Inhaltsstoffe enthalten. Diese Substanzen sind in der EU grundsätzlich zugelassen, stehen aber aus verschiedenen Gründen in der Diskussion: Manche bauen sich in der Umwelt kaum ab, andere gelten als potenzielle Allergieauslöser. Nachhaltige Kosmetik setzt dagegen auf pflanzliche, tierische oder mineralische Rohstoffe, die schonend gewonnen und verarbeitet werden. Der Begriff ist gesetzlich nicht geschützt, weshalb ein Blick auf die Inhaltsstoffliste oder auf anerkannte Siegel unverzichtbar ist.
Inhaltsstoffe und ihre Herkunft
Bei nachhaltiger Kosmetik stammen Wirkstoffe idealerweise aus kontrolliert biologischem Anbau. Pflanzenöle wie Arganöl, Jojobaöl oder Hagebuttenöl werden kaltgepresst gewonnen, um ihre Nährstoffe zu erhalten. Botanische Extrakte aus Aloe vera, Ringelblume oder Kamille gehören zu den klassischen Bestandteilen zertifizierter Naturkosmetik. Problematisch sind dagegen Inhaltsstoffe wie bestimmte UV-Filter, die über das Abwasser in Gewässer gelangen können. Du erkennst sie in der INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) an Bezeichnungen wie Oxybenzone oder Octinoxate, die in einigen zertifizierten Naturkosmetiksiegeln nicht zugelassen sind.
Verpackung und Plastikreduzierung
Ein erheblicher Teil des Umwelteinflusses von Kosmetik entsteht durch die Verpackung. Viele Hersteller setzen inzwischen auf Glas, Aluminium oder recyceltes Plastik (PCR-Material). Feste Produkte wie Shampoobars, Seifenstücke oder Reinigungsbalken kommen ohne Plastikflaschen aus und haben in der Regel eine längere Haltbarkeit als ihre flüssigen Entsprechungen. Nachfüllsysteme, bei denen du den äußeren Behälter behältst und nur die Innenkapsel austauschst, sind eine weitere Option zur Verpackungsreduzierung. Beim Kauf lohnt ein Blick auf die Recycelbarkeit des verwendeten Materials sowie auf die Mengenangabe: Konzentrate erfordern kleinere Gebinde und erzeugen dadurch weniger Verpackungsabfall.
Siegel und Zertifizierungen im Überblick
NATRUE und BDIH
Das NATRUE-Siegel wurde 2008 von einem europäischen Naturkosmetikverband eingeführt und unterscheidet drei Stufen: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil sowie Biokosmetik. Für das NATRUE-Zertifikat müssen Produkte einen Mindestanteil natürlicher Inhaltsstoffe enthalten und dürfen keine synthetischen Duftstoffe, Farbstoffe oder Silikonöle aufweisen. Das BDIH-Siegel (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungs- und kosmetische Mittel) arbeitet mit einer Positivliste zugelassener Rohstoffe. Beide Siegel schließen petrochemische Inhaltsstoffe aus und verlangen regelmäßige Audits der Hersteller.
Ecocert und COSMOS
Ecocert ist eine französische Zertifizierungsorganisation, die nach dem internationalen COSMOS-Standard arbeitet. COSMOS (COSMetics Organic Standard) unterscheidet zwischen COSMOS Organic und COSMOS Natural. Bei COSMOS Organic müssen mindestens 95 Prozent der physikalisch verarbeiteten Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sein, und ein definierter Anteil der Gesamtformel muss aus biologischem Anbau stammen. COSMOS Natural stellt weniger strenge Anforderungen an den Bio-Anteil, fordert aber ebenfalls den Ausschluss synthetischer Duftstoffe und petrochemischer Bestandteile. Das COSMOS-Siegel ist international verbreitet und in Europa weit anerkannt.
Was Siegel garantieren und was nicht
Siegel geben eine verlässliche Orientierung hinsichtlich der Inhaltsstoffe, können aber nicht alle Aspekte der Nachhaltigkeit abdecken. Sie sagen in der Regel nichts darüber aus, unter welchen Arbeitsbedingungen ein Produkt hergestellt wurde oder wie weit die Transportwege sind. Ein zertifiziertes Produkt muss nicht zwingend in recycelbarer Verpackung erscheinen. Umgekehrt kann ein nicht zertifiziertes Produkt durchaus auf problematische Inhaltsstoffe verzichten. Neben dem Siegel lohnt es sich daher, die INCI-Liste zu lesen und auf Transparenzberichte des Herstellers zu achten.
Vergleich ausgewählter Naturkosmetiksiegel
| Siegel | Herausgeber | Synthetische Duftstoffe | Petrochemie | Tierversuchsverbot |
|---|---|---|---|---|
| NATRUE | NATRUE e.V. (Brüssel) | Nicht erlaubt | Nicht erlaubt | Vorgeschrieben |
| BDIH | BDIH e.V. (Deutschland) | Nicht erlaubt | Nicht erlaubt | Vorgeschrieben |
| COSMOS Organic | COSMOS e.V. / Ecocert | Nicht erlaubt | Nicht erlaubt | Vorgeschrieben |
| COSMOS Natural | COSMOS e.V. / Ecocert | Nicht erlaubt | Nicht erlaubt | Vorgeschrieben |
| Leaping Bunny | Cruelty Free International | Keine Vorgabe | Keine Vorgabe | Vorgeschrieben |
Produktkategorien beim Umstieg
Gesichtspflege
Bei der Gesichtspflege reicht das Angebot nachhaltiger Produkte von Reinigern über Toner bis hin zu Feuchtigkeitscremes und Seren. Feste Reiniger und Reinigungsöle kommen häufig ohne Plastikflasche aus und halten bei ähnlicher Ergiebigkeit länger als flüssige Produkte. Naturkosmetische Feuchtigkeitscremes nutzen Wirkstoffe wie Hyaluronsäure pflanzlichen Ursprungs, Sheabutter oder Jojobawachs. Preislich beginnen zertifizierte Gesichtscremes ab ca. 8 Euro für Basisprodukte im Drogeriemarkt; Seren mit botanischen Wirkstoffen aus dem Fachhandel oder Apotheken kosten ab ca. 18 Euro aufwärts.
Haarpflege
Das Angebot an festen Shampoos und Conditionern hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Ein festes Shampoo entspricht in seiner Ergiebigkeit häufig zwei bis drei flüssigen Shampooflaschen und kommt ohne Plastikverpackung aus. Pflegende Inhaltsstoffe wie Arganöl, Kokosöl oder Brennnesselextrakt werden bei zertifizierter Naturkosmetik aus biologischem Anbau bezogen. Achte in der INCI-Liste auf den Ausschluss von Silikonen (Dimethicone, Cyclomethicone) und synthetischen Polymeren, da diese sich im Haar anlagern und schwer abbaubar sind. Feste Haarpflege gibt es ab ca. 5 Euro im Drogeriemarkt.
Körperpflege und Deodorants
Bei Körperlotionen und Deoprodukten ist die Auswahl nachhaltiger Alternativen inzwischen groß. Feste Deosticks oder Deocremes kommen ohne Aerosolgas aus und sind häufig in Glas, Aluminium oder Pappe verpackt. Typische natürliche Wirkstoffe in diesen Produkten sind Natron, Magnesiumhydroxid oder Zinkoxid, die Geruchsbildung durch Bakterien hemmen. Diese Alternativen sind keine Antitranspirantien im klassischen Sinne und blockieren nicht die Schweißproduktion, wirken aber geruchsneutralisierend. Nachhaltige Deoprodukte beginnen preislich ab ca. 4 Euro, Körperpflegeöle in Glasflaschen ab ca. 6 Euro.
Dekorative Kosmetik
Auch im Bereich Make-up wächst das Angebot zertifizierter Naturkosmetik. Mineralische Puder, Lippenstifte mit pflanzlichen Ölen und mascararähnliche Produkte auf Wachsbasis sind inzwischen in Drogerien und Apotheken erhältlich. Bei Lippenprodukten ist ein Blick auf die INCI-Liste besonders empfehlenswert, da konventionelle Produkte oft Mineralöle (MOAH/MOSH-Verbindungen) enthalten, die kontrovers diskutiert werden. Naturkosmetische Lippenpflegen auf Pflanzenwachs- und Pflanzenölbasis sind eine gängige Alternative und kosten ab ca. 3 Euro.
Umstellung auf nachhaltige Kosmetik im Alltag
Schritt für Schritt vorgehen
Du musst deine gesamte Pflegeroute nicht auf einmal umstellen. Sinnvoll ist, mit den Produkten zu beginnen, die du am häufigsten verbrauchst, etwa Shampoo, Reinigungsgel oder Körperlotion. Nutze vorhandene Produkte auf, bevor du sie ersetzt, denn das vorzeitige Wegwerfen nutzbarer Produkte ist ebenfalls nicht nachhaltig. Teste neue Naturkosmetikprodukte zunächst in kleinen Mengen oder Reisegrößen, bevor du größere Gebinde kaufst, um Fehlkäufe zu vermeiden.
Wo du nachhaltige Kosmetik kaufst
Nachhaltige und zertifizierte Naturkosmetik ist in Drogerien, Apotheken, Reformhäusern, Bio-Supermärkten und Online-Shops erhältlich. Im Drogeriemarkt gibt es eine breite Auswahl an BDIH- und COSMOS-zertifizierten Produkten in allen Preislagen. Reformhäuser und spezialisierte Naturkosmetikläden bieten häufig eine persönliche Beratung und die Möglichkeit, Produkte vor dem Kauf zu testen. Beim Online-Kauf helfen Filteroptionen nach Siegel oder Inhaltsstoffen, die Produktsuche einzugrenzen.
Minimalismus als ergänzendes Prinzip
Ein häufig unterschätzter Aspekt nachhaltiger Kosmetik ist die Reduktion der Produktanzahl. Viele Menschen verwenden eine Vielzahl an Pflegeprodukten, die sich in ihrer Funktion teilweise überschneiden. Die Konzentration auf wenige multifunktionale Produkte spart Geld, Platz im Bad und reduziert den Gesamtverbrauch von Rohstoffen und Verpackungen. Ein reines Pflanzenöl wie Jojobaöl kann beispielsweise gleichzeitig als Gesichtspflege, Körperöl und Haarkur eingesetzt werden.
Inhaltsstoffe im Vergleich
Ein direkter Vergleich der Inhaltsstoffe hilft dir, beim Einkauf schneller zu entscheiden. Die folgende Liste zeigt typische Bestandteile zertifizierter Naturkosmetik:
- Kaltgepresste Pflanzenöle und pflanzliche Butter (z. B. Sheabutter, Jojobaöl, Kokosöl, Arganöl)
- Botanische Extrakte aus zertifiziert biologischem Anbau (z. B. Aloe vera, Ringelblume, Kamille, Grüntee)
- Natürliche Konservierungsstoffe wie Tocopherol (Vitamin E), Rosmarinextrakt oder Benzoesäure natürlichen Ursprungs
- Ätherische Öle als Duftstoffe (z. B. Lavendelöl, Rosenöl, Bergamotteöl)
- Mineralische Pigmente bei dekorativer Kosmetik (z. B. Eisenoxide, Titandioxid)
- Emulgatoren auf Zuckerbasis (z. B. Sucrose Stearate) oder aus Kokosöl gewonnene Tenside
Folgende Inhaltsstoffe findest du in zertifizierter Naturkosmetik dagegen nicht:
- Mineralöle und Paraffine (erkennbar als Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Vaseline)
- Silikone (z. B. Dimethicone, Cyclomethicone, Amodimethicone)
- Synthetische Duftstoffe (in der INCI-Liste oft als Parfum/Fragrance ohne nähere Angabe)
- Synthetische Farbstoffe (erkennbar an CI-Nummern wie CI 15985 oder CI 77891 bei nicht mineralischen Pigmenten)
- Formaldehyd-Abspalter als Konservierungsmittel (z. B. DMDM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea)
- PEGs und Polyethylenglykole als Emulgatoren
Häufige Fragen zu nachhaltiger Kosmetik
Was unterscheidet Naturkosmetik von nachhaltiger Kosmetik?
Naturkosmetik bezieht sich in erster Linie auf die Inhaltsstoffe: natürliche Rohstoffe statt synthetischer Verbindungen. Nachhaltige Kosmetik ist ein weiterer Begriff, der zusätzlich die Verpackung, die Lieferkette, soziale Standards in der Produktion und die Umweltverträglichkeit des gesamten Produktlebenszyklus einbezieht. Naturkosmetik mit anerkanntem Siegel ist ein Teil nachhaltiger Kosmetik, deckt aber nicht automatisch alle Nachhaltigkeitsdimensionen ab.
Sind nachhaltige Kosmetikprodukte immer teurer als konventionelle?
Nicht zwingend. Im Drogerimrkt gibt es zertifizierte Naturkosmetikprodukte in verschiedenen Preislagen, angefangen ab wenigen Euro für einfache Körperpflegeprodukte. Feste Produkte wie Shampoobars können auf den ersten Blick teurer wirken, sind aber in der Regel ergiebiger als flüssige Varianten. Wenn du die Kosten pro Anwendung berechnest, liegen nachhaltige Produkte häufig auf einem vergleichbaren Niveau.
Wie erkenne ich Greenwashing bei Kosmetikprodukten?
Greenwashing liegt vor, wenn Hersteller mit Begriffen wie "natürlich", "grün" oder "eco" werben, ohne dass dies durch Inhaltsstoffe oder Siegel belegt ist. Hinweise auf Greenwashing sind: keine konkreten Inhaltsstoffangaben, keine Zertifizierung durch unabhängige Stellen, vage Aussagen ohne Nachweis sowie eine Verpackung, die Natur suggeriert, obwohl das Produkt petrochemische Bestandteile enthält. Zuverlässiger als Marketing-Aussagen ist ein Blick auf die INCI-Liste und auf anerkannte Siegel wie NATRUE, BDIH oder COSMOS.
Kann ich nachhaltige Kosmetik auch selbst herstellen?
Ja, einfache Pflegeprodukte lassen sich mit wenigen Zutaten selbst herstellen. Klassische DIY-Produkte sind Körperbutter aus Sheabutter und einem Pflanzenöl, Lippenpflege auf Bienenwachs- oder Candelillawachsbasis oder ein Gesichtstoner aus Rosenwasser. Für die Herstellung eigener Kosmetik solltest du auf kaltgepresste Pflanzenöle und zertifizierte Rohstoffe zurückgreifen. Achte auf saubere Arbeitsbedingungen und verwende Behälter aus Glas oder Aluminium, um Verunreinigungen zu vermeiden. DIY-Kosmetik hat in der Regel eine kürzere Haltbarkeit als industriell hergestellte Produkte, da keine Konservierungsmittel zugesetzt werden.
Welches Siegel ist das richtige für mich?
Das hängt davon ab, worauf du beim Kauf den meisten Wert legst. Wenn dir ein hoher Bio-Anteil wichtig ist, sind COSMOS Organic oder das NATRUE-Siegel auf der Stufe Biokosmetik geeignete Orientierungspunkte. Wenn du primär auf den Ausschluss problematischer Inhaltsstoffe achtest, reicht bereits ein BDIH- oder COSMOS-Natural-zertifiziertes Produkt. Wenn Tierversuchsfreiheit dein Hauptkriterium ist, eignet sich das Leaping-Bunny-Siegel als zusätzliche Orientierung, da es sich ausschließlich auf diesen Aspekt konzentriert.
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