Mineralöl begegnet dir in unzähligen Kosmetikprodukten: in Tagescreme, Lippenpflegestift, Körperlotion und Make-up-Grundierungen. Dieser Artikel erklärt dir, wie Mineralöl in der Kosmetik wirkt, was die Zulassungsvoraussetzungen in der EU sind und für welche Hauttypen eine Alternative sinnvoller sein kann.
Was ist Mineralöl und wie entsteht es?
Herkunft und Raffination
Mineralöl (INCI: Paraffinum Liquidum oder Petrolatum) ist ein Nebenprodukt der Erdölraffination. Bei der Destillation von Rohöl entsteht ein Gemisch aus langkettigen Kohlenwasserstoffen. Je nach Viskosität und Reinigungsgrad unterscheidet man zwischen leichten Mineralölen (Paraffinum Liquidum leicht) und schweren Varianten wie Petrolatum. Für kosmetische Anwendungen durchläuft Mineralöl mehrere Reinigungsstufen, um technische Verunreinigungen zu entfernen.
Kosmetische Qualitätsstufen
Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 unterscheidet zwischen technischer und kosmetischer Qualität. Mineralöl in kosmetischer Qualität muss hochraffiniert sein und darf keine nachweisbaren Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten. Die entsprechenden Grenzwerte legt das Europäische Arzneibuch fest. Diese strengen Vorgaben gelten für alle Produkte, die du in der EU kaufst.
Erscheinungsformen in Kosmetikprodukten
Auf der INCI-Liste eines Produkts findest du Mineralöl unter verschiedenen Bezeichnungen. Es lohnt sich, diese zu kennen, damit du beim Blick auf die Inhaltsstoffliste weißt, womit du es zu tun hast:
- Paraffinum Liquidum steht für die flüssige Form, die in Lotionen, Körperölen und Make-up-Grundierungen eingesetzt wird.
- Petrolatum ist die halbfeste Form, bekannt als Vaseline, und findet sich in Salben, Lippenpflegemitteln und Pflegecremes.
- Microcrystalline Wax bezeichnet die feste Wachsvariante, die Lippenstiften und Mascaras Textur und Halt gibt.
- Mineral Oil ist die englische Bezeichnung, die du auf internationalen Produkten und in Labordokumentationen antrifft.
Wie wirkt Mineralöl auf der Haut?
Okklusivwirkung und Feuchtigkeitserhalt
Mineralöl bildet auf der Hautoberfläche einen Film, der den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) reduziert. Dabei dringt es nicht in tiefere Hautschichten vor, sondern wirkt ausschließlich an der Oberfläche. Dieser Mechanismus ist für Menschen mit sehr trockener Haut nützlich, weil Feuchtigkeit, die sich in der Hornschicht befindet, durch den Okklusifilm langsamer verdunstet. Das Ergebnis ist kurzfristig eine geschmeidigere und weichere Haut.
Unterschied zu natürlichen Ölen
Pflanzliche Öle wie Jojobaöl oder Rosehip-Öl enthalten Fettsäuren, die in die Hautbarriere eingebaut werden können und mit dem natürlichen Fettgehalt der Haut interagieren. Mineralöl hingegen bleibt an der Oberfläche und beeinflusst die biologischen Prozesse der Haut weniger direkt. Für eine rasch beruhigende Wirkung bei Austrocknungserscheinungen kann das ein Vorteil sein. Wer eine aktive Unterstützung der Hautbarriere von innen heraus anstrebt, findet in natürlichen Ölen möglicherweise eine ergänzende Option, die andere Wirkmechanismen mitbringt.
Mögliche Reaktionen bei bestimmten Hauttypen
Bei sehr fettiger oder zu Akne neigender Haut kann ein mineralölreicher Okklusifilm den Hautfilm zusätzlich verdichten. Gereinigte Mineralöle werden in gängigen Komedogenitätsskalen gering eingestuft, das individuelle Ansprechen variiert jedoch von Person zu Person. Wenn du zu unreiner Haut neigst, lohnt es sich, Produkte mit niedrigem Mineralölgehalt zuerst auf einer kleinen Testfläche auszuprobieren, bevor du sie flächig anwendest. Für trockene und empfindliche Haut ist Mineralöl in der Regel gut verträglich.
Sicherheit und gesetzliche Regelungen
Zulassung in der EU
In der Europäischen Union gilt die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 als rechtsverbindlicher Rahmen. Mineralöle sind als Kosmetikinhaltsstoffe zugelassen, sofern sie die Reinheitsanforderungen erfüllen. Das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) hat hochraffiniertes Mineralöl als sicher für kosmetische Anwendungen auf der Haut eingestuft, solange die Grenzwerte für Verunreinigungen eingehalten werden. Hersteller sind verpflichtet, die Sicherheit jedes Inhaltsstoffs vor dem Inverkehrbringen zu dokumentieren.
MOSH und MOAH
Ein häufig diskutiertes Thema sind gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). In Lebensmitteln gelten für MOAH strengere Grenzwerte, da bestimmte Verbindungen als potenziell krebserregend eingestuft werden. In der Kosmetik wird die dermale Absorption von hochraffiniertem Mineralöl als gering bewertet, da die Moleküle für eine Hautpenetration zu groß sind. Für orale oder mukosale Anwendungen wie Lippenpflege gibt es spezifischere Sicherheitsbewertungen des SCCS, die bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden müssen.
Kennzeichnungspflicht und Transparenz
Hersteller sind verpflichtet, alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils auf dem Produkt anzugeben. Du erkennst den Mineralölgehalt daran, an welcher Stelle in der INCI-Liste Paraffinum Liquidum oder Petrolatum auftauchen. Steht einer dieser Begriffe unter den ersten drei Inhaltsstoffen, macht er einen besonders hohen Anteil des Produkts aus. Steht er weiter hinten, ist die Konzentration entsprechend geringer.
Mineralöl im Vergleich mit Alternativen
Vergleich gängiger Inhaltsstoffe
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Eigenschaften von Mineralöl im Vergleich zu häufig verwendeten Alternativen in der Kosmetik. Die Angaben beziehen sich auf typische kosmetische Formulierungen:
| Inhaltsstoff | Typ | Okklusion | Penetration | Stabilität |
|---|---|---|---|---|
| Paraffinum Liquidum | Mineralisch | Hoch | Sehr gering | Sehr hoch |
| Petrolatum | Mineralisch | Sehr hoch | Nicht nachweisbar | Sehr hoch |
| Jojobaöl | Pflanzlich (Wachsester) | Mittel | Gering | Mittel |
| Rosehip-Öl | Pflanzlich | Gering | Mittel | Niedrig |
| Mandelöl | Pflanzlich | Mittel | Mittel | Mittel |
| Sheabutter | Pflanzlich | Mittel bis hoch | Gering | Mittel |
| Dimethicone | Silicon | Mittel | Sehr gering | Sehr hoch |
Pflanzliche Öle als Alternative
Pflanzliche Öle besitzen unterschiedliche Fettsäureprofile und können verschiedene Wirkungen auf die Haut haben. Sie enthalten natürliche Fettsäuren wie Linolsäure oder Ölsäure, die als Bausteine der Hautbarriere fungieren können. Im Gegensatz zu Mineralöl sind pflanzliche Öle jedoch weniger chemisch stabil und können bei falscher Lagerung oxidieren und ranzig werden. Mineralöl ist oxidationsstabil und trägt zur längeren Haltbarkeit von Formulierungen bei. Für Produkte, bei denen du ein natürliches Hautgefühl bevorzugst, können pflanzliche Öle eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung sein.
Siliconöle als weitere Option
Siliconöle wie Dimethicone werden ebenfalls als okklusive Inhaltsstoffe eingesetzt. Sie sind chemisch inert, hinterlassen einen seidigen Film auf der Haut und werden von vielen Menschen wegen ihrer leichten Textur geschätzt. Aus Sicht der Umweltverträglichkeit werden Siliconöle jedoch kontrovers diskutiert, da sie biologisch schlecht abbaubar sind. Mineralöl wird in dieser Hinsicht ebenfalls kritisch betrachtet, ist aber in der Kosmetik seit Jahrzehnten gründlich untersucht worden.
Bekannte Produktkategorien, in denen du Mineralöl in der Kosmetik antrifft:
- Feuchtigkeitscremes und Körperlotionen
- Lippenpflegestäbchen und Lippenbalsam
- Make-up-Primer und Foundation
- Babypflegeprodukte wie Babyöl (Paraffinum Liquidum als Hauptbestandteil)
- Haarpflegeöle und Glanzprodukte
- Wundschutzcremes und Pflegesalben
Häufige Fragen zu Mineralöl in der Kosmetik
Ist Mineralöl in der Kosmetik gesundheitsschädlich?
Hochraffiniertes Mineralöl in kosmetischer Qualität wird vom Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) als sicher eingestuft. Es darf keine messbaren Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten. Technisches Mineralöl oder schlecht gereinigtes Material ist dagegen nicht für die Kosmetik zugelassen. Produkte, die du im EU-Handel kaufst, müssen die entsprechenden Reinheitsanforderungen erfüllen.
Verstopft Mineralöl die Poren?
Paraffinum Liquidum wird in Komedogenitätsskalen gering eingestuft. Eine Porenverstopfung ist nicht grundsätzlich zu erwarten, kann aber je nach Hauttyp und Produktformulierung individuell variieren. Wenn du zu Akne neigst, empfiehlt sich ein kurzer Test auf einer kleinen Hautfläche, bevor du ein Produkt flächig verwendest. Bei sehr schwerer Akne kann es sinnvoll sein, mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt abzuklären, welche Inhaltsstoffe für dich geeignet sind.
Was ist der Unterschied zwischen Mineralöl und Vaseline?
Mineralöl (Paraffinum Liquidum) ist bei Raumtemperatur flüssig und wird in Emulsionen, Körperlotionen und Haarölen eingesetzt. Vaseline (Petrolatum) hat eine halbfeste, wachsartige Konsistenz und wird häufig für Lippenpflege, Handcremes und Schutzsalben verwendet. Beide stammen aus der Erdölraffination und haben eine starke Okklusivwirkung, unterscheiden sich aber in Viskosität, Textur und Anwendungsgebiet.
Wie erkenne ich Mineralöl auf der Zutatenliste?
Auf der INCI-Liste findest du Mineralöl unter den Bezeichnungen Paraffinum Liquidum (flüssig), Petrolatum (halbfest) oder Microcrystalline Wax (fest). Steht einer dieser Begriffe weit vorne in der Liste, ist der Anteil im Produkt hoch. Im englischsprachigen Raum wird auch der Begriff Mineral Oil verwendet, der jedoch auf EU-Produkten der INCI-Bezeichnung weichen muss.
Für welche Hauttypen ist Mineralöl geeignet?
Mineralöl eignet sich besonders für trockene und sehr trockene Haut, da die Okklusivwirkung den transepidermalen Wasserverlust reduziert. Bei normaler Haut können leichte Mineralölformulierungen als Feuchtigkeitspflege angenehm sein. Bei öliger oder zu Unreinheiten neigender Haut solltest du eher nicht-okklusive Alternativen ausprobieren oder gezielt Produkte mit geringem Mineralölgehalt wählen.
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